Der Zementgarten

Leipzigs Off-Theater lebt und ist lebendiger als jemals zuvor. Das muss man in Anbetracht der geplanten Auszeit mal so konstatiert werden. Die Cammerspiele präsentieren mit dem Zementgarten eine gelungene Adaption des gleichnamigen Romans von Ian McEwan.

Leipzig. Samstag. 18. Februar. Nieselregen. Die Straßen sind leer. Es ist die Zeit zwischen der samstäglichen Lethargie und bevor die nächtlichen Feiern losgehen. Trotzdem finden sich einige Leute in den Leipziger Cammerspielen ein. Wobei einige tatsächlich eine Untertreibung ist, denn der Saal ist komplett gefüllt. Neben der üblichen Bestuhlung gibt es auch eine Couch, die die Zuschauer_innen direkt in das Wohnzimmer des Stücks holt. Ganz so wie es mit Lisa Günther ein Teil des Regieduos (das andere bildet Christopher Köhler) schon in einem Interview zum Stück versprochen hat:

Wir alle bewegen uns innerhalb von Ordnungen, in denen perfides Handeln plötzlich seine Berechtigung findet. Diese Strukturen sind das, was uns in der Arbeit interessiert, was wir unterlaufen möchten. In unserem Stück spielt der Moment von Voyeurismus eine sehr entscheidende Rolle: Die Zuschauer werden so ins Geschehen mit reingezogen, Teil dieses Kosmos, denn sie sitzen nicht unweit vom Wohnzimmer – dort mag man fast vergessen, was eigentlich genau passiert.

Ganz kurz, worum es eigentlich im Stück geht: Vater, Mutter, 4 Kinder (Jack: Tim Josefski, Julie: Julia Pohl, Tom: Tala Al-Deen, Sue: Caroline Kaiser) leben relativ abgeschottet. Kurz nachdem der Vater (Max Schaufuß) stirbt, stirbt auch die Mutter (Julia Pohl). Die Kinder beschließen allerdings, weiterzumachen als wäre nichts gewesen und verstecken die Mutter im Keller – sie wird im titelgebenden Zement vergraben. Und dann geht es richtig los. Die Kinder spielen Erwachsene und versuchen, ihr Leben selbst zu managen. Was allerdings nicht ganz gelingt und schließlich komplett eskaliert, als Julie mit Derek (Max Schaufuß) ihren Verlobten in die Szenerie einführt.

Das Ganze ist erstaunlich flott gespielt und sorgt für einen kurzweiligen Theaterabend. Insbesondere die oben schon zitierte Nähe zu den Darsteller_innen sorgt doch dafür, dass selbst kleinste Regungen nicht unerkannt bleiben. Dies kommt insbesondere Tala Al-Deen zu Gute, die in der Rolle als Tom glänzen kann. Und der Rückgriff auf den alten Shakespeare gibt dem Stück zusätzliche Situationskomik, allerdings unter umgekehrten Vorzeichen: Frauen, die Männer spielen, die Frauen sein wollen bzw. auch spielen.

Fazit: 1. Ein großes Danke an die Kasse der Cammerspiele, dass sie uns das Theatervergnügen trotz eines übervollen Saals noch ermöglicht hat. 2. Unbedingt angucken und die Cammerspiele unterstützen; es lohnt sich!

weitere Infos: http://www.cammerspiele.de/der-zementgarten

nächste Aufführungen: 28. und 29.02., 08.-10.03 und 30. und 31.03.

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