Carl Weissner – Die Abenteuer von Trahsman

Carl Weissner – vielen vielleicht bekannt als Übersetzer von Charles Bukowski, William Burroughs, Bob Dylan, Frank Zappa und wem noch nicht alles. Dank einer Kritik im freitag (Ausgabe 01/2012 – Das große Brüllen) bin ich auf sein letztes Buch Die Abenteuer von Trashman gestoßen; durch die Besprechung auf die Liste zu lesender Bücher gesetzt. Und jetzt endlich geschafft, wo Weissner noch einmal tagesaktuell ist. Leider allerdings durch seinen Tod am 24. Januar.

Neben Manhattan Muffdiver ist Trashman Weissners zweites in Deutsch erschienenes Buch. Und das hat es in sich. Stakkatohaft fliegt einem das New Yorker Leben im Jahr 1968 um die Ohren. Die Figuren in Weissners Buch – Figuren? Sie haben solch illustre Namen wie Janis Joplin, Al Pacino, oder eben Charles Bukowski – hechten von einem Exzess in den nächsten und als Leser_in ist man atemlos dabei und gerät Seite um Seite tiefer hinein in diesen Exzess. Worum es genau geht ist schon fast egal, denn wichtig ist der nächste Trip, der nächste Schuss, der nächste Joint, der nächste Suff. Nur unterbrochen durch Entführungen von Aliens mit anthropomorph-sexuellen Neigungen, Axtmördern auf LSD (ja, das steht auf dem Umschlagtext, ist allein aufgrund der einfachen Erwähnung trotzdem erwähnenswert) und Statusmeldungen zum Vietnamkrieg. Eine lineare Geschichte gibt es natürlich trotzdem: Es soll ein Buch geschrieben werden (The Braille Film). Egal.

Für wen ist das Buch nicht? Dogmatiker_innen, die immer noch glauben, dass die Revolution friedlich gewonnen werden kann; Klischee-Intellektuelle, für die ein Buch nur dann lesenswert ist, wenn jeder Satz sich mindestens über fünf Zeilen erstreckt, mehr als 10 Interpunktionen hat und in geschliffener Sprache geschrieben sein muss; zarte Gemüter, die beim Wort Joint den Untergang des Abendlandes vor sich sehen. Allen anderen bietet Weissner ein Einblick in das Ende der wilden 60er in den USA, als die Peace and Love Phase der Hippies langsam aber sicher in die Depression des Punks hinüber glitt, als sich die bunte und friedfertige Jugendkultur durch aggressivere und unberechenbarere Drogen selber kaputt-trippte. Schließlich verlor die Szene ihre Unschuld nur ein Jahr später mit den Manson-Morden sowie den Ereignissen beim Altamont Konzert. Dieses beginnende Ende merkt man auch dem Buch an, in dem man die einsetzende Härte direkt fühlen kann.

Neben der Situation in den USA gibt Weissner auch Einblick in seine Gefühle gegenüber der damaligen BRD, die auch und gerade jetzt nicht von ihrer Aktualität verloren haben(Stichworte NSU und V-Männer sowie neue Details zu Karl-Heinz Kurras). Ein Bundeskanzler, der früher in der NSDAP war, und im neuen Staat wieder Notstandsgesetze durchsetzt, einem BKA durchsetzt mit ehemaligen SSlern und auch sonst einer Entnazifizierung, die diesen Namen nicht verdient.

Weissner hat mit Die Abenteuer von Trashman ein Stück geschrieben, was man ganz ohne negative Konnotation als Popliteratur bezeichnen kann. Der Text transformiert sich beim Lesen in den Sound der 68er im Stil von Velvet Underground oder Janis Joplin. 154 Seiten, die wie im Flug vergehen!


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