Archiv des Autors: michael.becker

Skript: Theoretische Philosophie Uni Leipzig (22.01.2014)

Die grundlegende Gegenposition zu einem neurotischen Skeptizismus besteht darin, die Existenz mindestens einer basalen Wahrheit zu postulieren, wobei der Inhalt dieser Wahrheit zunächst nicht von Bedeutung ist. In der Philosophiegeschichte lassen sich verschiedene Varianten dieser Wahrheit identifizieren: Descartes zieht sich auf das eigene Denken zurück, der Empirismus (z.B. Hume, Locke, Carnap) sucht die Wahrheit in der Sinneswahrnehmung bzw. den Eindrücken. Andere Herangehensweisen wählen der Pragmatismus (die Welt gibt uns eine Struktur vor) und der Universalienrealismus (die Wahrheit besteht aus mehreren Komponenten). Weiterlesen

Skript: Theoretische Philosophie Uni Leipzig (15.01.2014)

Die Frage, wann und ob überhaupt Wissen gültig ist, unterscheidet die sophistische von der philosophischen Position. Während der Sophismus behauptet, dass es kein gesichertes Wissen gibt, vertritt die Philosophie die These der Einheit von Wissen und Irrtum. Bei Platon und Aristoteles ist der Irrtum das Fehlen von Wissen und damit muss es durch die Existenz des Irrtums auch gesichertes Wissen geben. Die sophistische Ansicht hat sich zum Skeptizismus weiterentwickelt, deren antike Vertreter unter anderem Pyrrhon von Elis und Sextus Empiricus sind. Insbesondere Empiricus vertritt einen neurotischen Skeptizismus, demzufolge es keine Wahrheit gibt. Als philosophische Position ist dies allerdings keine tragbare These; dementsprechend wurden weitere Positionen zur Wahrheit und deren Geltung entwickelt. Weiterlesen

Wie hätten Sie Ihr Theater denn gerne? „Der große Marsch“ in der Diskothek

Zwei Damen, 13 Herren, ein Kind, eine Gruppe echter Sozialhilfeempfänger, 21 mongoloide Kinder, 50 wunderschöne Frauen – das steht in der Besetzungsliste. Dazu kommen noch Regieanweisungen, die das Maß alles spielbaren sprengen. Beispiel gefällig: „Der Arbeitgeberpräsident Her Hundt tritt auf (er darf nicht von einem Schauspieler ersetzt werden)“. Ganz klar, hier haben wir es mit einer Vorlage zu tun, die einen spannenden Theaterabend garantiert. Der Große Marsch von Wolfram Lotz (Jahrgang 1981) scheint eine Herausforderung zu sein, der sich Sebastian Hartmann nur zu gerne gestellt hat. Nachdem sich seine Inszenierung in die Intendanz Lübbe gerettet hat (zum Glück!), haben auch wir es nun endlich geschafft und konnten am 12.01. in den Genuss kommen. Weiterlesen

Verlierlinge in Plattenbauten: „Und dann“ in der Diskothek

Endlich wieder Hochkultur. Nachdem wir lange, allzu lange schon nicht mehr im Centraltheater Schauspielhaus waren, hat nun der Gewinn bei der kreuzer-Verlosung für ein Wiedersehen gesorgt. Gab es mit dem Wechsel der Intendanz eher weniger gute Nachrichten (Stichworte: ein OBM, der sich über die Entscheidung einer eigens eingesetzten Findungskommission hinwegsetzt, urplötzlich aufgetauchte hohe Defizite, gegenseitige Anschuldigungen, Anzeige) soll doch langsam mal wieder Ruhe einkehren und das eigentliche Thema zurück auf die Agenda kommen: Theater. Auf dem Programm stand am 09. Januar eine Adaption des Textes Und dann von Wolfram Höll (Leipziger Jahrgang 1986) inszeniert von Claudia Bauer. Weiterlesen

Skript: Theoretische Philosophie Uni Leipzig (08.01.204)

In der philosophischen Praxis muss Widerspruch ausgehalten werden, ohne dass es zum Streit bzw. Zur Trennung kommt. Daher sucht die Philosophie nach dem Dialog und versucht, Kritik in diesen zu integrieren. Hier zeigt sich, dass die Krise, die aus der verlorenen Einheit der antiken Menschen entstanden ist, nicht nur im negativen Sinne zu sehen ist. Im Dialog wird auch der eigentliche Gegenstand der Philosophie geklärt: die Wahrheit. Die Wahrheit umfasst dabei neben der Erklärung des eigentlichen Ist-Zustands auch die Erklärung, warum uns der Zustand in einer bestimmten Art und Weise erscheint. Weiterlesen

Wissenschaftliche Erklärungen

Dritte Runde in der Ringvorlesung Methoden der quantitativen Sozialforschung an der Universität Leipzig. Diesmal präsentiert uns David Hardecker vom Institut für Philosophie etwas zum Thema Wissenschaftliche Erklärungen. Erklärungen sind notwendig, um die oftmals gesuchte Ordnung in Dinge zu bringen. Dabei lassen sich einerseits allgemeine Dinge (Phänomene, Eigenschaften und Gesetze), andererseits singuläre Ereignisse erklären. Die verschiedenen Dinge stehen dabei in einer Hierarchie von Allgemeinheitsgraden zu einander. Beginnend mit einem einzelnen Ereignis lassen sich Ereignistypen zusammenfassen und darauf aufbauend empirische und theoretische Gesetze formulieren. Das allgemeine Schema einer Erklärung ist, dass ein Explanans ein Explanandum erklärt. Weiterlesen

Entscheidungs- und Spieltheorie

Die Ringvorlesung Methoden der quantitativen Sozialforschung geht in die zweite Runde des Jahres 2013. Diesmal gibt uns Thomas Voss von der Leipziger Soziologie eine kleine Einführung in die beiden Themen Modellbildung und Entscheidungs- und Spieltheorie. Ausgangspunkt des Themas ist das Problem, in den Sozialwissenschaften, Ableitungen aus Thesen zu erstellen. Diesem Problem kann mit Hilfe der Theoriebildung begegnet werden. Notwendig zum Aufstellen von Modellen ist eine formalisierte Darstellung mit idealisierten (“unrealistischen”) Annahmen, bei der bestimmte externe Faktoren ausgespart werden. Zum Beispiel wird bei den bekannten Fallgesetzen die Reibung vernachlässigt. Weiterlesen

Skript: Theoretische Philosophie Uni Leipzig (18.12.2013)

Die Geschichte der Philosophie beginnt mit der verlorenen geglaubten Einheit der Welt, was zu einer Krise in verschiedenen Regionen der Welt führte. Als erste Aufgabe hatte die Philosophie daher die Suche nach dem Einheitsprinzip. Nachdem die ersten Ideen auf Materielles (wie z.B. Wasser oder Luft) gingen, wurde klar, dass das Einheitsprinzip nichts Materielles sein kann sondern ein Konzept sein muss. Im antiken Athen wurde diese Einheit in der Vielfalt gefunden, d.h. die Menschen reden trotz unterschiedlicher Meinungen miteinander und Kritik ist explizit erlaubt. Daraus entwickelte sich als neue Haltung eine Denk- und Gesprächskultur. Diese Geisteshaltung hat sich bewährt, da sie nicht nur moralisch sondern auch praktisch erfolgreich war; schließlich konnten die Athener sich gegen äußere Feinde wie die Perser behaupten. Die Geisteshaltung führte aber auch zur zweiten Krise. Denn es sind Kriterien notwendig, um zu entscheiden, ob ein Vorschlag gut oder schlecht ist. Während der sophistische Weg die Güte eines Vorschlags rein an dessen Erfolg misst, steht in der Philosophie die Wahrheit im Mittelpunkt. Weiterlesen