Jerusalem in acht Tagen – Anreise

Shalom und herzliche Grüße aus Jerusalem. Na noch nicht ganz; erst mal muss der Hinflug geschafft werden und, dass man nach Israel einreisen darf. Da ist man natürlich als Allein reisender Junge über 30 schon mal jemand, der aus dem Raster fällt. Wenn man dann noch bei zwei einem bis dahin unbekannten Mädels irgendwo in Jerusalem nächtigt, kann man sich sicher sein, dass man zur Extrakontrolle wird. Ich habe also das Ahmed-Mustafa-Los gezogen und durfte mich mit vier weiteren Leuten einreihen, um Fragen zu beantworten ala: Was ich in Israel will, wo ich übernachte, was ich zu Hause mache, wie mein Vater heißt etc. p. Aber alles in netter und entspannter Atmosphäre, so dass eigentlich nie Stress entsteht. Nachdem der Inhalt meines Handgepäcks dann einzeln durchsucht wurde, war auch schon alles geschafft und es konnte ab Richtung gelobtes Land gehen.

Einreise

Die erste Hürde – ausreisen aus Deutschland und mit dem Flieger mitfliegen – ist also erst mal geschafft. Jetzt gilt es nur noch, nach Israel einzureisen. Aber das stellt sich weitaus weniger aufwändig dar, als so mancher Reiseführer behauptet. Die Passkontrolle in Tel Aviv / Ben Gurion ist schnell geschafft und im Gegensatz zum US-Visum ist das Israel-Visum auch kostenlos. War es früher noch so, dass der Stempel erst auf Nachfrage auf einen Extrazettel und nicht in den Pass kommt, kommt er heutzutage nur als Zettel daher. Damit gibt es dann keine Probleme, wenn man später in arabische Länder einreisen will. Die verfahren nämlich genau so. Warum es dann überhaupt noch Pässe und Visumsstempel geben muss, bleibt allerdings das unergründliche Geheimnis der Bürokratie…

Ankunft in Ben Gurion

So sieht es also aus in Israel. Ein kurzer Blick aus dem Flughafen Ben Gurion nahe Tel Aviv.

Nach der Klärung aller Formalitäten heißt es erst mal kurz Kontakt mit Emily und Adi aufnehmen, bei denen ich die Tage verbringen darf. Das jüdische Pessach-Fest beginnt dieses Jahr am 15. April; damit geht ab 14. April gegen 16 Uhr nichts mehr, was ÖPNV oder ähnliches angeht. Dafür gibt es am Pessach-Vorabend den Seder, einem Familienfest, bei dem es für Außenstehende hauptsächlich um Geschichten, Singen und Essen geht. Ich hatte das Glück direkt bei Adis Familie an einem solchen Seder teilzunehmen. Nachdem klar war, dass die Familie in Gev’at Ze’ev wohnt also schnell rein in ein Nesher-Taxi (das wird von Arabern betrieben, die sich nicht an die jüdischen Feiertage halten müssen). Und Adresse durchgegeben.

Und ab geht es Richtung Jerusalem.

Und ab geht es Richtung Jerusalem.

Die Fahrt war recht entspannt und schon bald waren wir als zusammengewürfelte Passagiertruppe mit Sack und Pack in Jerusalem. Nach einer kurzen Nachfrage, wie lange es noch in etwa bis Gev’at Ze’ev ist, der erstaunte Ausruf: Oh nein, das habe ich ganz vergessen. Denn nun habe auch ich gelernt, dass Gev’at Ze’ev nicht direkt in Jerusalem liegt, sondern eine der berühmt-berüchtigten Siedlungen ist. Also noch mal eine kleine Tour nach außerhalb. Das hat also etwas länger gedauert als geplant. Dafür gab es eine fast kostenlose erste Sightseeing-Tour durch die Neustadt Jerusalems.

Traditioneller Seder-Abend

Irgendwann war es dann soweit, und ich konnte mit der kleinen Seder-Gemeinschaft bei Adis Familie anschließen. Die Familie ist recht liberal, so dass es zwar auch ein ernstes Fest ist, aber das gemeinsame Beisammensein mit der Familie im Vordergrund steht. Adis Eltern sind beide in Kibbuzen aufgewachsen, daher gab es neben religiösen Liedern auch viele Lieder, die einfach den Frühlingsbeginn gefeiert haben.

Gegen Mitternacht hat sich die kleine Gemeinschaft dann aufgelöst. Mittlerweile war ich auch einigermaßen müde, da der Zug Richtung Frankfurter Flughafen ja doch schon kurz vor vier Uhr früh losgefahren ist. Und an Schlafen war dank zweier herausragender Israel-Jerusalem-Reiseführer-Geburtstagsgeschenke nicht zu denken. Auf der Rückfahrt Richtung Jerusalem sind wir dann auch an der allseits bekannten und beliebten Mauer vorbeigefahren. Da hat man zum ersten Mal gesehen, dass der Nahost-Konflikt doch ganz nah ist, auch wenn es einem zumindest auf israelischer Seite nicht unbedingt so vorkommt. Nach der Anreise und dem vielen Seder-Essen hat es dann auch nicht mehr allzu lange gedauert, bis der Schlaf einen übermannt hat. Und ein bisschen ausruhen ist wohl nicht verkehrt, schließlich stehen acht spannende Tage vor mir.

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