Skript: Theoretische Philosophie Uni Leipzig (13.11.2013)

Im Athen des fünften Jahrhunderts vor Christus kommt es mit der Entdeckung der Macht der Rede und der Suche nach dem guten Leben zur zweiten Krise der Polis. Die Menschen der damaligen Zeit haben festgestellt, dass sie bei ihrer Suche nach dem guten Leben auf ihre Mitmenschen angewiesen sind. Durch den wachsenden Reichtum der Stadt Athen und den vorherigen Kriegen im Umland strömt eine Reihe von Nicht-Athenern in die Stadt. Aus diesem Grund wächst allerdings auch die Xenophobie innerhalb der Stadt und es kommt immer wieder zu Konflikten, u.a. zwischen verschiedenen Mitgliedern der Oberschicht.

Philosophie und Sophismus

Neben verschiedenen anderen Menschen strömen auch Gelehrte in die Stadt und bieten ihr Wissen (u.a. Rhetorik und Weisheit) gegen Geld an. Die Thesen dieser Sophisten sind, dass der soziale Erfolg, d.h. die Tugend gelehrt werden kann und der Bessere bzw. Stärkere gewinnt. Das Problem moralischer Werte umgehen sie, indem sie festhalten, dass es keine moralischen Werte an sich gibt, die absolut gelten. Auch Religion sehen sie als puren Aberglauben an, der allerdings als Mittel zur Macht nützlich ist.

Verschiedene Sophisten lassen sich grob dahingehend einteilen, ob sie von Platon geschätzt wurden oder nicht. Zur zweiten Gruppe gehören unter anderem Gorgias von Leontinoi, Trasymachos von Chalkedon, Kallikles und Hippias von Elis. Gorgias wird zugeschrieben, dass er zu allen möglichen Themen pro und contra Argumente vortragen konnte, ohne dass er selbst eine eigene Meinung hätte. Trasymachos und Kallikles setzten auf das Recht des Stärkeren während es für Hippias keine Grenzen gab. Von Sokrates geschätzte Sophisten sind unter anderem Protagoras, für den der Mensch das Maß aller Dinge ist, sowie Prodikos, der versucht hat, die Philosophie und Religion zu entmythisieren und rationale Erklärungen für Phänomene zu finden. Prodikos hat weiterhin die Tugend für die Tugend gestritten und hierbei insbesondere für die Selbstbeherrschung, die aufgrund der Unbeherrschtheit der damaligen Menschen ein großes Thema der Antike war. Grundsätzlich lässt sich der Unterschied zwischen Sophisten und Philosophen nach Sokrates daran festmachen, dass die Sophisten Wissen als Weisheit verkaufen, was aber weder Wissen noch Weisheit ist. Im Gegensatz dazu ist der Gegenstand der Philosophie die Wahrheit und der Philosoph verfügt über das Wissen zur Wahrheit.

Sokrates und Platon

Anaxagoras (~500 – 428 c. Chr.) war einer der letzten äonischen Philosophen und Lehrer von Sokrates. Ihm wird zugeschrieben, Vertreter der Ideenleere zu sein. Seine Hauptthese war die Aussage, dass am Anfang alles in allem ist und der Geist (nous) dies nach Art und Gattung trennt. Anaxagoras wurde schließlich aufgrund politischer Konflikte aus Athen vertrieben.
Die Hauptquellen über das Leben von Anaxagoras’ Schüler Sokrates (469 – 399 v. Chr.) sind neben Platon Xenophon und Aristophanes. Sokrates wird als moralisch integerer und mutiger Bildhauer, der asketisch gelebt hat, beschrieben. Er hinterfragte die Behauptungen der Sophisten öffentlich mit der sogenannten sokratischen Methode. Diese besteht darin, die Argumente der Gegenüber zu erschüttern und einen Beleg für die Wahrheit ihrer Aussagen zu fordern. Sokrates hat mit der Weiterentwicklung der Ansätze von Anaxagoras die platonische Ideenlehre begründet, wonach alles im Dienst der Wahrheit steht.

Sokrates’ Tugendhaftigkeit zeigt sich auch am Ende seines Lebens als gegen Anklage erhoben wurde. Trotzdem er vor Gericht zum Tode verurteilt wurde, hat er sich geweigert, zu fliehen. Begründet hat er dies damit, dass Gesetze kein Werkzeug sind und daher nicht nur Anwendung finden, wenn sie vorteilhaft sondern auch wenn sie nachteilig für die eigene Person sind.
Mit Platon (424 – 347 v. Chr. )tritt nun der erste Philosoph auf, von dem ein umfassendes Werk überliefert ist. Er verfügt über ein Gesamtwerk, in dem er seine Vorgänger rezipiert und seine Gegner kritisiert. Eine der Leistungen Platons ist die Institutionalisierung der Philosophie durch die Gründung einer Akademie mit Regeln, einem Programm etc.

Platons Werk liegt in Form von Dialogen vor, in denen die Thesen allerdings niemals von Platon selber ausgesprochen werden. Stattdessen werden sie hauptsächlich von Sokrates aber auch von anderen Philosophen vertreten. Zu diesen Thesen gehört unter anderem, dass die Wahrheit eine Eigenschaft des Denkens ist, d.h. das wahre Denken besteht aus wahren Gedanken. Ein Gedanke ist nun wiederum war, wenn er der Idee, d.h. dem Konzept bzw. Bauplan eines Dings entspricht. Die Ideen bilden bei Platon ein hierarchisch aufgebautes System.

In seinem berühmten Höhlengleichnis beschreibt Platon drei Stufen der Erkenntnis der Ideen. Zunächst werden bloße Erscheinungen von künstlichen Gegenständen für wahr gehalten. Die erste Stufe zur Wahrheit ist dann der Anblick der künstlichen Gegenstände, die für Erscheinungen der Ideen gehalten werden. Auf der zweiten Stufe sieht der Mensch die natürlichen Gegenstände, die als Vorbilder der künstlichen diesen. Schließlich erblickt der Mensch die Sonne und kommt zu der Erkenntnis, dass die Ideen ohne die Sonne nicht sichtbar sind. Dementsprechend ermöglicht die Sonne die Ideen und steht für das Denken.
Bei Platon entspricht die Wahrheit dem Schönen und Guten, wodurch eine Einheit von Erscheinung, Ideen und Geist existiert. Aus diesem Grund stellt Platon auch die These auf, dass Moral und Erkenntnis (d.h. Gutes und Wahrheit) die gleiche Erkenntnisquelle besitzen. Obwohl mit Hilfe dieser These auch die empirische Wissenschaft ermöglicht wird, bringt sie doch gewisse Probleme mit sich, u.a. bezüglich der Realität bestimmter Gegenstände wie z.B. den Zahlen.

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