Skript: Theoretische Philosophie Uni Leipzig (16.10.2013)

Der Begriff der Philosophie wird in unterschiedlicher Bedeutung verwendet. Einerseits kann er lebensweltlich sowohl individuellen (Philosophie einer Person) als auch sozialen (Unternehmensphilosophie, Philosophie einer Gruppe etc.) Charakter annehmen. Dem steht der wissenschaftliche Philosophiebegriff gegenüber. Auch dieser kann auf zwei Arten verwendet werden: auf der einen Seite steht die Wissenschaft der Philosophie als solche, auf der anderen die sogenannte Bindestrichphilosophie, d.h. die Philosophie der Physik, der Biologie, der Medizin etc.

Philosophie als Wissenschaft

Wird nun der Begriff der Philosophie aus wissenschaftlicher Sicht betrachtet, ist zunächst das Wesen der Wissenschaft zu klären. Hier lässt sich zunächst eine Abgrenzung zur Kunst vornehmen, die in der Regel wissenschaftliches Wissen anwendet (z.B. wenden Ingenieure Wissen der Statik und damit der Physik an). Im Gegensatz dazu produziert die Wissenschaft wissenschaftliches Wissen. Sie liefert also Erkenntnisse über bis dahin Verborgenes, d.h. über Gründe der Dinge, die deren Wesen bestimmen.

Die Frage, die sich an dieser Stelle ist, woher das Wissen darüber kommt, dass verborgene Gründe für das Wesen der Dinge existieren. Diese Frage lässt sich zunächst mit der These beantworten, dass dieses Wissen bereits im Menschen implizit vorhanden ist durch das Wissen darüber, dass die eigene Existenz selbst verborgene Gründe hat. Dabei müssen diese Gründe auch nicht einmal bekannt sein. Diese Erkenntnis ist also nicht sinnlich sondern unmittelbar und wird durch das Denken gewonnen. Die Fähigkeit zu Denken als spezifische menschliche Fähigkeit (bzw. allgemein als Fähigkeit vernunftbegabter Wesen) führt dazu, dass diese sich nicht nur als So-Sein sondern auch als Was-Sein betrachten und damit ein Selbstbewusstsein entwickeln.  Ein vernunftbegabtes Wesen hat darüber hinaus nicht nur ein Selbstbewusstsein sondern weiß auch davon und schätzt dieses Wissen. Im groben kann die Philosophie als Wissenschaft dann als die Suche nach den Gründen der Vernunft bezeichnet werden.

Philosophie als Institution

Das Philosophieren selber als menschliche Fähigkeit ist Voraussetzung für die Etablierung der Philosophie als Institution. Das heißt also, dass vernunftbegabte Wesen schon immer philosophieren auch ohne direkt darin geschult zu werden (wie z.B. durch universitäre Ausbildung). Hierin zeigt sich wiederum das menschliche Selbstbewusstsein, was den Menschen zum Philosophieren veranlasst.

Die Entstehung der Philosophie als Institution fällt zusammen mit einem gesellschaftlichen Wandel von der sogenannten homerischen zur politischen Welt um 700 v. Chr. In der homerischen Welt sind die Menschen eher affektgeleitet und sehen das Leben als Teil des Kontinuums Gott-Natur. Das heißt, Gott kommuniziert direkt mit den Menschen (etwa Adam und Eva). Weiterhin wird auch das Natürliche als göttlich angesehen und mit diesem kommuniziert. In der politischen Welt wird dieses Kontinuum dann aufgehoben und der Mensch entfremdet sich sowohl vom Göttlichen als auch von der Natur. Dies lässt sich anhand von neu errichteten Mauern um Siedlungen (als Abgrenzung zur Natur) sowie an der nur noch indirekten Kommunikation mit Gott (z.B. in Form von Schriften) zeigen. Die Gründe für diesen gesellschaftlichen Wandel sind bis dato umstritten, vermutlich waren kriegerische Auseinandersetzungen der Auslöser.

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