Mord und Totschlag in der Messestadt

Düster geht es zu in der Messestadt. Ein Serienkiller zieht seine Kreise. Wer steckt dahinter? Wer ist das nächste Opfer? Wie kann der Killer gestoppt werden? Und wie zum Teufel schafft es der Killer immer wieder, kein Blut am Tatort zu hinterlassen? Fragen, die in Messestadt Murder Mystery unter der Regie von Sebastian Börngen (u.a. Rausch und die zweite Hälfte von Bunbury oder Ernst sein ist alles) geklärt werden sollen.

Doch zunächst treffen wir Carol (Marielle Burre) und Larry (Tim Josefski) beim Aerobic. Das Motto “Sport ist Mord” treffen wir hier zum ersten Mal an und es zieht sich durch die ganze Aufführung, in der sowohl sportlich im körperlichen Sinne nach einem Mörder gejagt wird als auch die Zuschauer_innen sportlich im geistigen Sinne mit um die Ecke denken müssen. Aber wer blickt bei Krimis schon wirklich von Anfang bis Ende durch? Wie dem auch sei, kommt es natürlich sofort wie es auch kommen muss: Die ach so sportliche, durchtrainierte, fitte, mitten im Leben stehende Aerobic-Lehrerin steht nicht nur nicht mehr sondern findet sich tatsächlich bereits gut abgepackt in einem Leichensack. Teilt uns der Dritte im Bunde – Ted (Eric Schellenberger) – mit. Da haben wir als Zuschauer_in dann auch endlich die erste Leiche. Leider ganz ohne Blut, denn es lag wohl am Herzen. Was besonders für Ted als augenscheinlich Blutuntersuchungsverantwortlichen ein herber motivatorischer Rückschlag ist.

Natürlich ist am Ende alles ganz anders als es scheint. Voller Übermut machen sich die drei also auf die Suche nach der Wahrheit, der Logik und dem Sinn des Ganzen. Denn – um nur fragmentarisch ein bisschen in die Handlung hineinzuschauen und dem Krimi nicht seine Spannung zu nehmen – auf einmal ist eine Leiche gar nicht tot und dann doch wieder, plötzlich verschwinden Leichen, Carol ist auch noch weg, eine wild gewordene Pensionsbesitzerin mischt sich in das Geschehen ein, Finanzblasen platzen (tatsächlich!) und schließlich verdanken wir dem Theater nicht nur die Aufführung sondern auch die Auflösung des Falls. Hier haben wir dann auch endlich mal wieder ein Stück im Stück; diesmal aber nicht subtil sondern eher mit dem Holzhammer und einem wohl nicht ganz unironischen Blick.

Es macht Spaß, Carol, Larry und Ted beim Irren durch die Wendungen zu begleiten. Es ist Ansporn, die drei bei der Jagd nach dem Mörder zuzuschauen und zu versuchen, die vielen Rätsel vor ihnen zu lösen. Es ist manchmal herausfordernd, versteckte Anspielungen zu entdecken (Woody Allen und Alfred Hitchcock dürfen hier genannt werden), manchmal sind die Anspielungen aber dann wieder gekonnt unsubtil in Szene gesetzt (gerade für uns Informatiker_innen sollte “Hans Afka – Der Prozessor” Standardlektüre werden!). Dazu schafft es das Ensemble um Sebastian Börngen auch, sich durch sprachlich anspruchsvolle Szenen zu bewegen und Wort an Wort zu reihen. Nach einer kurzen Atempause, in der das Gesagte in Ohr der Zuschauer_innen kommt und dann auch noch verarbeitet wird, geht das Lachen los und der nächste Wortschwall ist schon wieder auf dem Weg.

Ein Abend für Freund_innen popkultureller Anspielungen, überdrehter Dialoge und Handlungen sowie von schnellem Spiel: Messestadt Murder Mystery. Weitere Spielzeiten sind im Juni: 20.06., 21.06. und 22.06.

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