Wer hat Angst vor Virginia Woolf? – Theater für Schauspieler_innen

Lange geplant hat es am 29.05.2012 dann doch endlich geklappt und wir waren bei Wer hat Angst vor Virginia Woolf? Das Stück von Edward Albee ist nicht nur durch seine zahlreichen Bühnenadaptionen bekannt sondern auch als Verfilmung mit Elizabeth Taylor und Richard Burton. Hier haben wir es mit der Version von Amina Gusner zu tun, die uns eine Koproduktion des Centraltheaters mit dem Haus Theater und Komödie am Kurfürstendamm beschert.

Das Stück dreht sich um das Ehepaar Martha (Katja Riemann) und George (Peter René Lüdicke). Diese zanken und lieben sich schon zwei Dekaden lang – einen Ausschnitt daraus können wir im Stück sehen. Es ist nachts und beide sind zu Hause als Martha George eröffnet, dass sie noch Besuch bekommen. George ist Angestellter am Gesichtsinstitut der Universität, Martha ist die Tochter des Dekans. Der Besuch ist der neue Biologieprofessor Nick (Karim Cherif) sowie seine Ehefrau Honey (Anne Haug). Als diese ankommen hat sich die Stimmung zwischen Martha und George schon hoch geschaukelt und sie beginnen sich immer weiter unter der Gürtellinie zu bekriegen.

Vor den Auswirkungen des Streits sind natürlich auch Honey und Nick, die zwischen die Fronten geraten, nicht gefeit. Steht es zunächst Männer gegen Frauen, drehen sich diese Verhältnisse im Laufe des Stücks. Während George und Honey eine gemeinsame Basis finden, gibt es heftige Anbandelungen zwischen Martha und dem überpotenten Nick. Dies führt dazu, dass auch das junge Paar Honey und Nick an die Grenzen ihrer Beziehung geführt wird. Das Szenario steigert sich immer weiter bis es schließlich zu Beginn des nächsten Morgens ganz in sich zusammenfällt. Mehr soll an dieser Stelle gar nicht verraten werden, der Inhalt kann auch auf den bekannten Seiten nachgelesen werden.

Mit einer Nettospielzeit von etwa zwei Stunden war Virginia Woolf für Centraltheater-Verhältnisse doch ein recht kurzes Stück. Und in diesen zwei Stunden gab es eine Menge Inhalt zu transportieren und eine Reihe verschiedener charakterlicher Entwicklung zu durchleben. Dementsprechend war das Stück recht flott inszeniert und ist vor allem auf die Schauspieler_innen zugeschnitten. Das Bühnenbild ist recht karg; eingerahmt von einer Armada an Schnapsflaschen und -gläsern findet sich das Wohnzimmer, dargestellt durch eine einzelne Bank. Viel mehr Requisiten braucht es für das Stück dann auch nicht, so dass die Konzentration voll und ganz auf die Bühnenaktivitäten gerichtet ist.

Und die weiß – zumindest die ersten anderthalb Stunden – durchaus zu überzeugen. Dass das Centraltheater ein schauspielerisch fantastisches Ensemble hat, wurde an dieser Stelle ja schon des öfteren angesprochen. Peter René Lüdicke hat im Stück mal wieder gezeigt, was in ihm steckt und durchlebt alle Emotionen von höchster Freude bis tiefster Trauer und wieder zurück. Dem steht der Rest des Stabs in nichts nach. Vor allem Anne Haug in der Rolle der Honey wusste mich zu überzeugen; hat sie den Charakter doch mit ihrer zurückhaltenden Art sehr gut wiedergeben. Auch Karim Cherif – anfangs noch etwas unauffällig – kommt während der Aufführung immer besser zur Geltung. Katja Riemann als bekanntester Name ist auch eine richtig gute Schauspielerin. Das hätte ich so nicht erwartet, kannte ich sie doch bisher nur aus seichter TV-Unterhaltung. Aber nach einer kurzen Recherche stellte sich heraus, dass dies nicht ihre erste Theatererfahrung war.

Schauspielerisch überzeugt das Stück also mal wieder auf ganzer Linie. Allerdings bleibt ein kleiner Wermutstropfen, der den Gesamteindruck ein wenig stört. Geht es den größten Teil doch recht beschaulich und in erträglicher Lautstärke vor sich, kippt die Stimmung gegen Ende des Stücks in große Hysterie, die in lautstarken Wortgefechten zwischen den Beteiligten resultiert. Das mag der Dramatik entgegenkommen, ist aber auf Dauer dann doch etwas anstrengend zu ertragen. Leider markiert das große Schreien auch noch das Ende des Stücks und der letzte Eindruck ist ja fast noch nachhaltiger als der erste. Hier wäre etwas weniger viel mehr gewesen.

Wer hat Angst vor Virginia Woolf – nächste Vorstellung am 4. Juli 2012, weitere Infos

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