Im Rausch der Musik – Rausch

131 Tage vor dem Ende des regulären Spielbetriebs der Leipziger Cammerspiele (oder anders ausgedrückt: am 29.04.2012) hat es uns mal wieder in das kleine aber feine Off-Theater der Stadt gezogen. Auf dem Programm stand das Stück Rausch nach August Strindberg in der Inszenierung von Sebastian Börngen.

Passend zum Titel des Stücks lässt sich das ganze Wochenende inklusive Verlängerung dank montäglichem Urlaub auch in Bezug zum eigenen Leben setzen. So betritt man Sonntag Abend (es hat noch etwas weniger als 30 Grad – also bestes Theaterwetter) die Spielstätte, wohl wissend, dass der eigene Abend danach noch lange nicht vorbei ist. Diesmal gibt es keine Wohnzimmeratmosphäre wie noch beim Zementgarten; stattdessen sitzt man im Bierzelt der Cammerspiele. Passt zum Titel des Stücks. Der Saal ist fast gefüllt und dann geht es auch sogleich mit einem Videopaket los, in der wir Zuschauer_innen in die Vorgeschichte des Stücks eingeführt werden.

Thematischer Hintergrund des Stücks ist die Premierenfeier des aufstrebenden Regisseurs Maurice (Karsten Zahn) zusammen mit seinen Darsteller_innen (Sophie-Luise Lenk und Tanja Haberland) seinem besten Freund (Martin Skurt) und seiner Frau (Sarah Ahlschwede). Wir sehen also Schauspieler_innen, die Schauspieler_innen spielen. Allerdings diesmal ganz ohne Subtexte und ohne direkte Zuschauer_innenansprache sondern in klassisch dramatischer Form. Und genau das ist auch das Theater, was man von den Cammerspielen erwartet und welches uns die schauspielerische Leistung der Beteiligten am Besten vor Augen führen kann.

Allerdings lässt sich doch im Vergleich zu anderen Stücken der Cammerspiele festhalten, dass es diesmal keine ganz überzeugende Vorstellung war. Dies lag einerseits daran, dass die Texte an der einen oder anderen Stelle doch etwas zu unmotiviert vorgetragen wurden; ja es gab teilweise eine Atmosphäre wie damals in der Schule als Gedichte vorgetragen wurden. Insbesondere mit Hinblick auf den Titel des Stücks hätte man sich hier doch etwas mehr Emotionalität in der Mimik und Gestik gewünscht. Doch auch die eigentliche Geschichte, die erzählt wird, hätte das verlangt.

Denn natürlich ist nicht nur eitel Sonnenschein im Land der Premiere; Maurice will den Exzess leben (Text der Cammerspiele). Und so bahnt sich eine Liaison zwischen ihm und seiner Darstellerin Henriette an, die dann auch noch die Freundin seines besten Freundes ist. Das Ganze vor dem Hintergrund, dass es in der Ehe mit Jeanne kriselt und das gemeinsame Kind die letzte und einzige Verbindung zwischen beiden ist. Auch wenn Rausch ein recht bekanntes Stück von Strindberg ist soll an dieser Stelle aber nicht verraten werden, wie die Geschichte sich weiterspinnt. Um das zu erfahren hingehen und nebenbei die Cammerspiele unterstützen.

Das Bedürfnis nach Emotionalität, welches die Darsteller_innen selber nicht ganz umsetzen konnten, konnte dann allerdings die Inszenierung als solche vollauf befriedigen. An erster Stelle ist hier Jasmina Rezig in der Rolle der DJane des Abends zu nennen. Sie setzt ihre passend zum Rausch abgestimmte Elektromusik perfekt in Szene. Daneben fügen sich auch die Lichteffekte zu einem großen Ganzen zusammen und finden ihr beeindruckendes Finale (das allerdings nicht das Finale des Stücks darstellt) in einer minutenlangen Stroboskop-Beschallung. In dieser Szene kommt die gesamte Ekstase, die das Stück vermitteln soll, sehr gut rüber. Danach geht es in klassischer Theatermanier weiter.

So bleibt im Endeffekt ein Theaterabend, der zwar nicht vollständig überzeugen konnte aber doch als sehr gut inszeniert im Gedächtnis bleiben wird. Das Ensemble war zwar nicht ganz so stark, wie man es kennt. Aber das lässt sich sicherlich auch zum Teil auf die 30 Grad Außentemperatur zurückführen.

Ein Gedanke zu „Im Rausch der Musik – Rausch

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