Easy Rider

Easy Rider – Der US-Kultfilm aus dem Jahr 1969 über die letzten Tage der Hippie-Kultur. Peter Fonda, Dennis Hopper und Jack Nicholson auf drogengeschwängertem Road Trip quer durch die USA. Kann das als Theaterstück funktionieren?

Das versucht zumindest Jürgen Kruse mit den Schauspieler_innen des Centraltheaters unterstützt durch einige HMT-Student_innen in der Leipziger Skala. Das Stück läuft schon eine Weile und uns hat es in die letzte Vorstellung am 24. Februar verschlagen.

Stimmungsgemäß der Bühnenaufbau; vollgepackt mit Requisiten. Steppenwolfs Pusher hallt durch die Skala. Auf und vor der Bühne findet sich ein buntes Konglomerat hippiesker Schauspieler_innen und auch die Hillbillies dürfen nicht fehlen. Dann geht es auch schon direkt hinein ins Geschehen und Wyatt (Manuel Harder) und Billy (Edgar Eckert) nehmen uns mit auf die Reise.

Von Beginn an kommt einem der Text doch recht bekannt vor – und tatsächlich nach eingehender Prüfung sind es größtenteils die Originalzeilen des Films, die dort gesprochen werden; teilweise abgewandelt aber im Großen und Ganzen direkt adaptiert. Das freut geneigte Kenner_in. Trotzdem muss man festhalten, dass der Abend doch etwas lau vor sich hin tröpfelt. Richtige Stimmung will trotz der Musik und der gewohnt guten Darstellung von Harder und Eckert (sowie natürlich auch den restlichen Schauspieler_innen) nicht aufkommen. Stattdessen hangelt sich das Stück von Szene zu Szene und spielt den Film nach, ohne eigenen Charakter zu entwickeln. Im Publikumsgespräch nach dem Stück stellte sich heraus, dass das insbesondere für Zuschauer_innen, die den Film (noch) nicht gesehen haben, verwirrend ist. Denn eine richtige Geschichte ergibt sich nicht bzw. diese erschließt sich nur durch das zusätzlich Kontextwissen des Films.

Lediglich Hagen Oechel in der Rolle des George Hanson weckt dann das Publikum wieder etwas auf. Allerdings bin ich mir nicht ganz sicher, ob das dem Geist des Stücks besonders gut tut, wenn ein Plastepenis auf einem Motorradhelm die größten Publikumsreaktionen auslöst. Dagegen wird der großartige, mehr oder wenige subtile Humor des Films zwar angesprochen (Stichwort: Das ist doch der große Wurf hier) zündet aber nicht richtig.

So bleibt ein gemischtes Gefühl. Zusammenfassend lässt sich feststellen: Die Musik war gut, handwerklich war das auch in Ordnung und es gab ordentliches Theater. Aber die große Begeisterung hat es nicht ausgelöst. Stattdessen hat der Theaterabend für einen anschließenden schönen Filmabend gesorgt, bei dem – natürlich – Easy Rider auf dem Programm stand. Und vielleicht macht das ja auch gerade den Film aus, dass man die guten Szenen nochmal gucken und die besten Musikstücke immer wieder hören kann.

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